Tag 2: Otavalo

Die Nacht brachte einige Erkenntnisse. Zum einen liefern die Ohrenstöpsel in Kombination mit Ohropax eine anständige Geräuschisolation von meinem Vater. Für Dietrich ist allerdings noch keine Technik komplett gewachsen. Zum anderen merkt man tatsächlich die Höhenlage. Quito liegt auf 2850 Metern, was sie zur höchsten Hauptstadt der Welt macht und in der Nacht musste ich mehrfach tiefer als sonst Luft holen und auch mein Vater berichtete von ähnlichen Erfahrungen. Über den Tag sollte sich dies auch noch fortsetzen. Jetzt gilt es den Erythrozyten die Zeit zu geben 2,3-Bisphosphoglycerat zu bilden um eine Rechtsverschiebung der Sauerstoffbindungskurve zu erreichen. Der Laie würde Akklimatisation sagen.

Auch den Jet Lag spürte man. Ich wurde um 5:30 Uhr wach und Dietrich konnte seit etwa 1 Uhr morgens kaum noch schlafen. So waren wir recht früh beim Frühstück, welches auch sehr gut war. Der Dresscode variierte von Schlafanzug bis richtiger Anzug, wobei wir mit Jeans im unauffälligen Mittelfeld waren. Wir gaben noch das von Azucena mitgebrachte Päckchen für einen Bekannten an der Rezeption ab und warteten dann um 8 Uhr auf unseren Fahrer.

Der kam auch pünktlich und wir machten uns auf die längere Fahrt nach Otavalo. Auf dem Weg hielten wir zunächst noch bei einem See, wo anscheinend von den indigenen Einwohnern Wettkämpfe geschwommen werden. Manchmal zweifelte ich die Geschichten unseres Fahrers an. So behauptete er, dass im letzten Jahr ein Inder das Rennen gewann, wobei ich es unwarscheinlich finde, dass er für dieses, definitiv nicht weltberühmte, Rennen anreist. Auch die Bahauptung, dass viele Ureinwohner Deutsche heiraten hielt ich für fragwürdig.

Ansonsten zeigte er einen aber gut rum und war nett. Wir hielten auch bei einem Wasserfall, dem “Cascade de Peguche“, wo die Ureinwohner als Beweis ihrer Stärke wohl die ganze Nacht lang drinnen bleiben müssen. Als wir dort waren gab es aber nur Touristen.

Der Weg dorthin führte durch einen schönen Wald. Insgesamt ist die gesamte Region sehr bergig und abwechslungsreich. Ein großes Tageshighlight, war es, als wir zwei Lamas sahen.

Das Wetter ist auch recht angenehm. Es war leicht bewölkt bei etwa 23 Grad. Bei klarer Sicht konnten wir auf der Rückfahrt sogar den Cotopaxi sehen.

Von dem Wasserfall wurden wir dann noch in einen Teppichladen gebracht, wo gezeigt wurde, wie die Produktion funktioniert und das es dort noch alles per Hand gemacht wird. Dies schlug sich auch im Preis nieder und wir gingen ohne etwas zu kaufen.

Um 11:30 kamen wir dann auf dem Markt von Otavalo an. Es ist laut Reiseführer ein großes Highlight und vor allem Samstags gibt es dort viel Kunsthandwerk. Als aller erstes ist uns ein komplettes gegrilltes Schwein ins Auge gefallen.

Auch sonst gab es viele günstige Essensstände. Ich nahm Bratkartoffeln mit Wurst und Ei für 1 Dollar. In verschiedenen Bäckereien wurde dann noch Nachtisch gekauft. Auch das alles war im Dollarbereich.

Ich erstand außerdem ein Wohnacessoir. Es war eine Lamadecke. Sie war vermutlich eher machinell produziert, denn sie kosteten nur einen Bruchteil dessen, was in dem Laden davor veranschlagt wurde. Nachdem wir Leute nach dem Weg fragen mussten, fanden wir auch zurück zu unserem Fahrer und dem vereinbarten Treffpunkt.

Autofahren in Ecuador ist ein bisschen lustig. Geblinkt wird grundsätzlich nicht und Spurwechsel werden sehr dynamisch vollzogen. Ein geschrottetes Auto konnten wir auch bewundern. Bei Restaurants die entlang der Landstraße sind, stehen auch Leute mit roten Fahnen und wedeln diese wie bei einem Autorennen, wo man als uninformierter Mensch von ausgehen könnte, dass es etwas Offizielles sein könnte und sich unbedacht bei einem Mittagessen wiederfindet.

In Quito im Hotel angelangt wollten wir in Otavalo gekaufte SIM-Karten in unsere Handys einsetzen. Auch nachdem ich die Frau an der Rezeption nach Hilfe gefragt habe, hat es jedoch nicht funktioniert sie frei zu schalten. Der finanzielle Verlust war zwar nur 10 Dollar, trotzdem war es ärgerlich. Wir gingen also nochmal vor die Tür und gingen in mehrere Shops, die aber entweder kein vernünftiges Englisch sprachen, oder nicht in der Lage waren SIM-Karten freizuschalten. Schließlich kauften wir in einem Laden neue SIM-Karten und man baute sie uns auch sofort ein. Jetzt sind wir mobil erreichbar.

Nach einer kurzen Pause im Hotel sind wir dann zum Abendessen in das Restaurant Mama Clorinda gegangen. Ich gönnte mir ein halbes Meerschweinchen. Man bekam zum Essen Plastikhandschuhe gereicht und da ich keine sinnvolle Alternativstrategie entwickeln konnte, lief es dann auch darauf hinaus. Am Nachbartisch schaffte es ein Einheimischer mit Messer und Gabel. Die Haut war sehr kross, sonst erinnerte es an gegrilltes Hähnchen. Dietrich hatte eine gemischte Platte, die auch gut war.

So ging ein ereignisreicher Tag zuende. Morgen werden wir uns die Altstadt anschauen und am Abend mit einem Nachtbus in Richtung Amazonas fahren.

Hasta luego!

4 Kommentare

  1. Avatar von Brigitte
    Brigitte · August 4, 2019

    Patrick , ich hab mich gerade geschüttelt , bei dem Gedanken an das gegrillte >Meerschweinchen .

    Like

    • Avatar von patrickflach1907
      patrickflach1907 · August 4, 2019

      Es ist in Ecuador wohl eine Spezialität und der Reiseführer hat es in dem Restaurant auch empfohlen 🙂 War auch lecker 🙂

      Like

  2. Avatar von Elisabeth
    Elisabeth · August 4, 2019

    Klingt nach einem tollen Tag

    Like

  3. Avatar von Brigitte
    Brigitte · August 5, 2019

    Ich freue mich schon auf eure nächsten Bilder und Berichte

    Like

Hinterlasse einen Kommentar