Heute gab es Quito wieder das gewohnt gute Frühstück im Hotel. Oliver, unser Fahrer, lies über Telefon mitteilen, dass er sich etwa 15 Minuten verspäten würde. Heute hatte er auch seine Tochter Alisa dabei. Sie ist 18 Jahre alt und macht in den USA nochmal ihren High School Abschluss nach um dann dort zu studieren. Laut Oliver ist Medizin der Favorit, doch nach Fragen von mir, scheint es im Moment noch ein abstrakterer Plan zu sein. Sie ist insgesamt etwas schüchterner.
Die Familiensituation von Oliver ist eh etwas konplexer. Seine Frau lebt mit seiner Tochter in New York, während er mit seinem Sohn in Quito ist. Er war früher bei einer Spezialeinheit der Polizei, von der er jedoch ausgeschieden ist, weil er, wie wir das verstanden haben, von einer kriminellen Organisation bedroht wurde. Die ecuadorianische Regierung macht ihm wohl bei der Ausreise Probleme, weil sie sagen, dass sie seine Ausbildung finanziert haben. Es ist komplex!
Unser Tag startete beim Mitad del Mundo, dem Äquatordenkmal. Wir waren dort, als die Tore geöffnet wurden.

Der Äquator zieht durch mehrere Länder, doch in Ecuador ist man aufgrund der Anden am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt. Man ist wegen der geringeren Gravitation und weil die Erde auch nicht perfekt rund ist auch etwa ein Kilogramm leichter als an den Polen.

Im Denkmal selbst gab es mehrere wissenschaftliche Ausstellungen. Das aktuelle Denkmal wurde vor etwa 40 Jahren gebaut.

Außerdem war natürlich der Breitengrad eingezeichnet, wo man nochmal seine besondere Witzigkeit unter Beweis stellen konnte. Viele Leute die dorthin gekommen sind schienen Humor zu haben.

Ein besonders witziger Fun Fact ist, dass man sich bei der Position des Denkmals vermessen hat. Der eigentliche Äquator verläuft ein paar hundert Meter entfernt. Wir sind dann auch noch dort hingegangen.

Hier gab es eine Führung mit mehreren wissenschaftlichen Demonstrationen. Diese waren recht unterhaltsam, doch auch mit Vorsicht zu genießen.
Eine der witzigeren war als man ein Ei auf einem Nagel balancieren sollte. Dietrich und mir gelang es.

Mit dieser Glanzleistung bekam man eine Urkunde zum “Egg Master“. Dies soll wohl klappen, weil die Corioliskraft sich am Äquator perfekt ausgleicht.

Dieser Effekt ist auch dafür verantwortlich, dass sich Tornados in den USA und Australien in unterschiedliche Richtung drehen. Es wird auch gesagt, dass sich dies auf Abflüsse auswirkt. So wie es hier präsentiert wurde, machte es sich schon bemerkbar wenn man zwei Meter in die jeweilige Hemisphäre bewegt. Daran habe ich gewaltige Zweifel. Der Effekt beruht ja darauf, das die Rotationsgeschwindigkeit eines Punktes von Äquator zu den Polen aufgrund der geringeren Strecke eines Bteitengrads abnimmt, dies sollte bei etwa zwei Metern einen extrem minimalen Einfluss haben. Bei Hurrikanes oder Tornados hängt es ja auch noch mit dem Wind und der Sonneneinstrahlung zusammen.
Ein weiterer Effekt, den sie demonstrieren wollte war, dass man am Äquator schwächer sei, weil man dort leichter wäre. Abgesehen davon, dass auch dieser Effekt auf zwei Meter kaum nachzuweisen wäre, war auch die Beweisführung fragwürdig, weil es demonstriert wurde, indem zwei Menschen Kraft gegeneinander ausübten. Müssten dann nicht aber beide von der Äquatorschwäche heimgesucht werden?
Aber wir standen beide auf dem echten Äquator, was natürlich ziemlich krass war. Es gibt ein Beweisbild.

Uns wurde auch von einem Stamm berichtet, der seine Feinde tötete und dann die Schädel zu Schrumpfköpfen verarbeitete. Ein 170 Jahre altes Exemplar war in der Ausstellung. Diese Praxis existiert heute nicht mehr.

Wenn Dietrich oder ich mal in einer südamerikanischen Wüste und auf der Suche nach dem nächsten High sind, wissen wir jetzt, dass wir den San Pedro Kaktus mehrere Stunden kochen müssen um eine haluzinogene Flüssigkeit zu erhalten. Überdosierungen können tödlich sein.
Nach einem spaßigen Vormittag fuhren wir weiter nach Mindo. Auf dem Weg dorthin hielten wir in Pululahua. Es gab eine schöne Aussicht.

In Mindo angekommen nahmen wir an einer Führung durch eine Schokoladenfabrik teil. Als erstes bekam man eine heiße Schokolade. Diese bestand aus 100% Kakao und hatte nicht den bekannten Nesquick Geschmack. Sie war überhaupt nicht süß.
Man konnte auch die Frucht (das weiße Fruchtfleisch) in roher Form probieren. Es erinnerte ein wenig an Litschi.

Der Prozess von der Pflanze, über die Trocknung zum Mahlen bis hin zur fertigen Schokolade wurde einem genau gezeigt und man konnte es gut nachvollziehen. Der Kakao der in Ecuador angebaut wird ist wohl qualitativ der Hochwertigste, den es gibt. Das war natürlich auch eine Herstellerangabe.

Im Anschluss gab es eine Schokoladenverkostung. Man konnte verschiedene Prozentsätze und verschiedene Zusätze ausprobieren. Die Schokolade hier besteht wohl ausschließlich aus Kakao und Zucker. Sie enthält keine Milch.

Mit fundierten Eindrücken fiel der Einkauf dann auch deutlich leichter. Preislich ist es teurer als Milka.
Im Anschluss sind wir Mittagessen gegangen. Nachdem das erste Restaurant voll war, hatten wir im zweiten freie Tischwahl. Es herrschte kurz Verwirrung, ob und wie wir zu Mittag essen wollten, doch wir fanden eine Linie. Wir hatten beide eine Forelle.

Gegen 15 Uhr trafen wir in unserer Lodge ein. Mindo ist bekannt für Vogelbeobachtung und unter diesem Motto steht auch die Anlage. Wir sahen sehr viele Kolibris. Einen Spaziergang zu einem Fluss in den früheren Abendstunden brachen wir wegen einsetzender Luftfeuchtigkeit ab. Er hat aber Potenzial und vielleicht gibt es morgen einen weiteren Versuch.

Da die Küche lediglich 90 Minuten warmes Essen anbietet war das Zeitfenster für das Abendessen klar. Die Lodge ist etwa 10 Kilometer außerhalb von Mindo und Alternativen sind nicht vorhanden. Dieser unausgeglichene Markt machte sich auch in der Preisgestaltung bemerkbar. Wir hatten beide Nudeln.

Den morgigen Tag haben wir bereits verplant, da wir im Anschluss an die Schokoladenfabrik in einem Reisebüro waren. Wir werden zuerst zu einem Wasserfall fahren, dann eine Schmetterlingsfarm besuchen und zum Abschluss Tubing machen.

Hasta luego!