Heute war ein entspannterer Tag. Um 8 Uhr saßen wir beim Frühstück, was sehr anständig war. Was uns auffällt ist, dass hier wohl sehr viel Essen weggeworfen werden muss. Jeder Tisch bekam eine recht üppige Wurst- und Käseplatte, die man gar nicht komplett essen konnte. Wir gehen mal davon aus, dass der Rest nicht weiterverwertet wird. Bei einem Buffet hätte man wohl weniger Verluste.
Im Anschluss an das Frühstück beschafften wir zunächst frisches Bargeld. Als wir dann zum Fahrradladen gehen wollten, verlor mein Vater ein wenig die Orientierung. Obwohl ich den Sandwichladen “Blah Blah“ sehen konnte, den wir als Orientierungspunkt ausgemacht hatten, vertrat er unverständlicherweise den Standpunkt, dass es sich wohl um eine Kette mit vielen Restaurants in dieser 14000-Einwohner Stadt handeln muss. Unsere kurze Irrfahrt endete in einem Eingeständnis seinerseits. Es war ein legendärer Moment!
Wir fanden den Laden und bekamen unsere Räder. Ich fand meins ganz gut, Dietrich war mit einigen Eigenschaften, wie z.B. der Gangschaltung, nicht zufrieden und bezeichnete es als “Hobel“.

Wir fuhren die Ruta de las Cascadas bis nach Rio Verde. Das war 16 Kilometer entfernt. Ursprünglich war das 61 Kilometer entfernte Puyo geplant, doch weil die Fahrräder nicht ideal waren, nahmen wir davon Abstand.
An einem Wasserfall beschlossen wir wieder mit einer an Drahtseilen befestigten Gondel über die Schlucht zu fahren. Dies war auch heute wieder schön.

An der selben Stelle gab es wieder eine Zip Line. Wir beobachteten es und stellten fest, dass uns das Sicherheitskonzept kaum überzeugte. Während wir gestern mehrfach mit Karabinern mit dem Stahlseil verbunden waren, wurden hier lediglich Seile mit einem Schlitten verbunden. Ich halte es nicht für unmöglich sich durch ruckartige Bewegungen zu befreien. Das Stahlseil war auch nicht gespannt genug, sodass wenn leichtere Personen kamen, sich Angestellte in die Seile hingen um es zu spannen. Ein Kind musste sich mit den Händen sogar die letzten Meter entlang des Stahlseils ziehen.

Wir setzten unsere Fahrt fort und kamen dann irgendwann wieder am “Pailon del Diablo“ an. Dietrich hatte über Nacht recherchiert, dass es Teufelspfanne heißt. Diesmal nahmen wir jedoch einen anderen Weg, mit dem man den Wasserfall von unten betrachten kann. Dies dauerte auch etwas länger.

Unten angekommen war eine Regenjacke keine schlechte Idee, sonst wäre man recht nass geworden. Im Vergleich zu gestern sind wir der Meinung, dass dies der spektakulärere Weg ist.

Von einer Brücke hatte man auch nochmal einen schönen Ausblick von unten. Hier war es auch deutlich weniger voll.

Wir stärkten uns mit frisch gepressten Saft und ich holte mir ein Eis was mich optisch angesprochen hatte. Es waren gefrorene Früchte in einer gefrorenen Flüssigkeit. Es war ganz gut.

Als wir dann wieder zurück nach Banos kommen wollten nahm der Tag einen dramatischen Verlauf. Die Ereignisse lassen sich nicht mehr exakt rekonstruieren, doch ich bin der Überzeugung, den Schlüssel für das Schloss meinem Vater gegeben zu haben. Er kann es zumindest nicht sicher abstreiten. Der Schlüssel war dann nicht mehr da. Nach leicht optimistischen Versuchen meinerseits mit einer Plastikgabel und manuell das Schloss zu knacken und nachdem Dietrich nochmal zurück im Restaurant war um zu schauen, ob er ihm dort aus dem Portmonee gefallen sein könnte, war klar, dass wir Hilfe brauchen würden. Ich ging in ein Restaurant und erläuterte das Problem, in der Hoffnung, dass man uns eine Zange geben würde. Man teilte mir mit, dass man uns helfen würde und etwas später kam jemand mit einem Schlüsselbund mit etwa 30 Schlüsseln. Einer davon passte. Es war auch eines dieser Billigschlösser. Wir bedankten uns und Dietrich gab ihm 5 Dollar.

Wir fanden einen Lastwagen, wo wir unsere Fahrräder reinstellen konnten und wo ein paar Holzbänke auf der Lafefläche standen. Es dauerte etwas bis wir losfuhren und in der Zwischenzeit unterhielten wir uns mit einem Chilenen.

Der südamerikanische Fahrstil ist anscheinend nicht immer der sicherste, denn es gab einen Unfall vor uns. Ich vermute, dass ein PKW auf die Gegenfahrbahn gekommen ist und dort mit einem Lastwagen kollidiert ist. Wir mussten etwa 30 Minuten warten, bis es weiter ging. Das Staumanagement hatte noch Optimierungspotenzial.

In Banos gaben wir die Räder wieder ab und schauten uns nach einem schnellen Mittagssnack eine Kirche an. Diese hatte vor allem einen tollen Garten.

In der Kirche fand gerade ein Gottesdienst statt, der recht anständig besucht war. Wir haben den Eindruck, dass in den Gottesdienst hier viel mehr gepredigt wird und weniger gesungen.

Dietrich entdeckte eine Wandbemalung, die wir als die Anfänge der Zip Line interpretierten. Es war aber auch nicht komplett eindeutig.

Es gab noch ein Museum bei der Kirche. Dieses hatte recht blutige Gemälde von der Kreuzigung Jesus. Außerdem gab es viele Kirchengewänder.

Der Rest war leicht irritierend. Es wurden Schreibmaschienen, Hüte und ausgestopfte Tiere ausgestellt.

Auch die verschiedenen Generationen von Videoabspielgeräten bekamen einen Tisch gewidmet. Zuletzt gab es noch einen Fußballpokal.

Nach dem Museum liefen wir noch durch die Stadt und hielten nach Souvenirs ausschau. Ich bin nun wieder in Besitz einer Sonnenbrille. Obwohl der Reiseführer wenig gutes an der Stadt selbst gelassen hatte, fanden wir sie eigentlich ganz schön. Sie ist einfach eindeutig touristisch, aber auch nicht schlecht.

Am späten Nachmittag gingen wir zurück in das Hotel und etwas später in die Casa Hood zum Abendessen. Dietrich versuchte sein erstes Craft Beer und war zufrieden. Auch das Essen war lecker. Den Tag über hat es immer wieder mal geregnet, aber fast nur wenn wir überdacht waren. Bislang haben wir Glück.
Morgen fahren wir zurück nach Quito.
Hasta luego!